


Uhr
Wo ist nur die Zeit geblieben…?

Heute sind wieder die Uhren umgestellt worden. Wie bei jeder Zeitumstellung werden immer wieder neue Diskussionen entfacht über den Sinn- oder vielmehr den Unsinn dieses Rituals.
Der Grund für die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit entsprang damals der Vorstellung Energie einsparen zu können, indem das Tageslicht abends länger verwendet und somit Strom eingespart werden sollte.
Sicher, es ist mit dieser Umstellung abends nun länger hell, allerdings ist es morgens jetzt immer eine Stunde länger dunkel. Also, die Energie, die ich abends einspare, benötige ich morgens nun mehr. Jetzt stellt sich mir auch die Frage, wozu dann die Uhren im Winter wieder vorgestellt werden, wenn es dadurch wieder eher dunkel ist? Zudem, wenn wir ein paar Wochen warten, dann wird es auch abends länger hell sein und das Ganze OHNE diese lästige Zeitumstellung.
Das Lustige an der Sache ist, dass gar nicht nachgewiesen werden konnte, ob der Energieverbrauch überhaupt durch diese Umstellung gemindert werden konnte. Vielmehr wurde ermittelt, dass dadurch eher mehr Heizkosten entstanden sind. Um nur ein Beispiel zu nennen: Man stolpert also anstatt um 6:00 Uhr bereits um 5:00 Uhr morgens (alter Zeit) aus den warmen Federn ins kalte Badezimmer, welches man somit bereits eine Stunde früher beheizen muss und somit einen täglichen Mehrverbrauch an Heizkosten hat, als ohne die Zeitumstellung. Zudem haben Ärzte herausgefunden, dass der Organismus bei jeder Umstellung sich sehr schwer tut, sich dem neuen Rhythmus anzupassen. Im Übrigen ist an einem Montagmorgen nach einer Zeitumstellung die Unfallrate im Berufsverkehr besonders hoch! Also morgen bitte besonders aufpassen!
Auch, wenn schon über Jahre diskutiert wird, wird sich auch die nächsten Jahre nichts daran ändern. Denn der Mensch ist nun mal ein Gewohnheitstier. Wir werden also die nächsten Tage noch völlig übermüdet blubbern, dass es schwachsinnig ist, dass man abends ewig nicht einschlafen konnte, dass man morgens nicht aus den Federn kam, es morgens noch so kalt und dunkel ist, wenn man das Haus verlässt und vieles mehr. Dann werden wir uns ein wenig freuen, dass wir eine gefühlte Stunde eher Feierabend haben – es ist wie es ist, wir Deutschen sind grandios darin, das Negative besonders aufzubauschen und das Positive gepflegt als Randnotiz auf der Rückseite zu platzieren – um letzten Endes nächste Woche wieder in die Tagesordnung über zu gehen und die Diskussionen erst wieder zu entfachen, wenn die nächste Zeitumstellung vor der Tür steht.
Zum Aufstand sind wir einfach zu müde und es fehlt uns die Zeit – besonders heute.
In diesem Sinne, richten wir uns auf ein paar schlechtgelaunte Mitmenschen ein und gewähren der Koffeinindustrie und unserem Heizlieferanten einen kurzen Anschub ihres Umsatzes…
So kurbeln wir wenigstens die Wirtschaft an!
Berlin, 27. März 2011
„Mariethieme“ An- und Aussichten