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Schreibblockade…

Da sitze ich nun völlig motivations- und antriebslos vor meinem PC, vollgestopft mit tausend Ideen, über die man schreiben könnte. Und anstatt diese eben auf das Papier zu bringen, sitze ich mit dem Kopf in der linken Handfläche geparkt vor dem Bildschirm und spiele Super Bubbles.

Wie kann ein Mensch denn nur so faul sein, sage ich zu mir selbst, aber eher im Stillen, denn selbst zum laut aussprechen bin ich schlichtweg zu faul.

Zwar rutschte ich mit einem sehr schlechten Gewissen auf dem Stuhl hin und her, weil ich ja doch längst hätte die mehr oder weniger lesbaren Hieroglyphen in meinem Notizbuch in einen Artikel umwandeln können – die einst als Notizen gedacht waren, welche mir die entscheidenden Denkanstöße geben sollten, um den ein oder anderen Artikel zu verfassen, der mir unterwegs eingefallen war und ich zu diesem Zeitpunkt meine linke Arschbacke hätte verpfändet können, um dafür diesen – selbst als brillant empfundenen – Artikel in den PC hätte tickern und veröffentlichen können. Nein, stattdessen sitze ich nun faul auf meinen noch vollständigen vier Buchstaben und glotze wie hypnotisiert die lustigen bunten Kügelchen an, die immer zerspringen, wenn man diese mindestens in einer Dreierkonstellation zusammenschießt.

Immer wieder raffe ich mich nun dann doch auf und tickere ein paar aneinandergereihte Buchstaben ins Word-Dokument, welche nicht wirklich spannend oder logisch erscheinen. Wenn ich die Kritzeleien in meinem Notizbuch richtig entziffern könnte, würde ich sicherlich einen einigermaßen guten Artikel vom Thema her zusammenstellen können, welcher allerdings vom Spannungsfaktor eher so aufregend wäre wie Haaren beim Spalten zuzusehen, was mich daran erinnert, dass ich mal wieder zum Friseur müsste.

Wo waren wir stehen geblieben?! Ach ja, Schreibblockade. Wenn sie einen erwischt, ist das schlimm, wenn man allerdings tausend Themen hat und nicht in der Lage ist diese vernünftig aufs Papier zu bringen, ist dies schlichtweg ein Skandal! Nur, muss ich ehrlich sagen, ich könnte über viele aktuelle Themen mindestens einen halben Roman schreiben, allerdings ist der Medienmarkt in sämtlichen Spektren derart überflutet – pardon, wenn das nicht gerade feinfühlig ausgedrückt ist –, dass es eh nur wieder eine von Millionen Meinungen wäre, welche via Internet durch die Welt segeln würde, um letzten Endes wieder ohne großartige Beachtung und/oder Kritik versinken würde. (In der derzeitigen mich-hat-keiner-lieb-Verfassung ist das der momentane Blickwinkel. Wird sich wahrscheinlich wieder ändern, hierzu nutze ich das Privileg, was Frauen befähigt, ihre Meinung ohne sonderlichen Grund und/oder Rechtfertigung ändern zu können und zu dürfen.)

Es ist aber auch schwer, im heutigen Zeitalter als Unikat gesehen zu werden. Man hat eine Idee, die dann doch schon viele zuvor hatten oder schlimmer, man hebt sich durch eine besondere Art hervor, hat dann auf einmal so viele Doubles, dass man als Original nicht mehr erkannt wird. Es gibt Tausende, die durch Gesang, Schauspielkunst, Komik, Schreibkunst oder sonstiger Individualitäten bestechen könnten, doch in der Masse, die sich durch die Welt schiebt, sich allerdings einfach nicht mehr hervorheben können und wenn doch, dann nur beiläufig als Randfigur und schnell wieder in der Versenkung aus der sie kamen verschwinden. Wenn man sich für diese Sternchen nicht wirklich interessiert, fällt es einem inzwischen echt schwer diese einzuordnen, wenn hier und da ein Name fällt.

Es ist einfach deprimierend in dieser Wegwerfgesellschaft zu leben, in der man von allen Seiten mit den verschiedensten Varianten des sogenannten Lebensstils zugemüllt wird. Quietschend laut, hübsch verpackt in leuchtend grellen Farben, um sich von den übrigen neonleutenden grölenden Produkten abzuheben. Im Radio und Fernsehen wird man brüllenderweise über die neusten „Oberschnäppchen“ informiert. Das Mailfach quillt über vor Newslettern, nur weil man irgendwo mal via Internet eingekauft hat. Man sieht auf Plakaten und Magazinen dürre und halbnackte 15-Jährige, welche „DIE große Modelkarriere“ vor sich haben zu scheinen, wo man sich dann fragt, auf der einen Seite wird gegen Kinderpornografie und Welthunger gekämpft und auf der anderen Seite werden ausgehungerte halbnackte Minderjährige über den Laufsteg geschickt. Es muss immer lauter, greller, bunter sein. In den Filmen muss immer mehr Sex und Blut gezeigt werden, um das abgestumpfte und übersättigte Volk überhaupt noch aus dem Sessel zu kriegen. Auch könnte man darüber schreiben, dass die Gesellschaft weniger Mitleid für die Menschen in Japan hat, sondern vielmehr eine Panikattacke nach der anderen kriegt, ohne dabei zu bemerken, dass Japan, gerade von uns aus, sehr weit weg ist und es uns nun wirklich nicht betreffen wird, selbst wenn der Wind wirklich sehr ungünstig steht. Oder über die alltäglichen Probleme, dass die Bahn nie pünktlich ist, dass man wie eine Ölsardine in einen Wagon gepresst wird, dass man beim Arzt trotz Termin sich den Hintern platt sitzt, man immer mehr zuzahlen muss und trotzdem die Beiträge steigen, über E10-Benzin, über Atomausstieg, dass Bedienungen grundsätzlich unfreundlich sind und im Fernsehen nur Müll läuft…

 

Ja, ich könnte über so viele Dinge schreiben…. Und dennoch sitze ich gelangweilt und pappesatt vor dem PC und spiele Super Bubbles….

 

Ist das Leben nicht manchmal stumpfsinnig…?!?

 

Berlin, 24. März 2011
„Mariethieme“ An- und Aussichten

 

 

 

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