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Grüne Woche 2011
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Wie jedes Jahr, hab ich auch dieses Mal meinem selbstauferlegten Pflichtprogramm „Besuch der Grünen Woche“ gefrönt. Auch wenn ich vom Besuch im letzten Jahr noch platte Füße und Stresspusteln habe, konnte ich auch dieses Mal nicht wiederstehen dort vorbeizuschauen.
Allerdings muss ich zugeben, dass es dieses Mal – trotz Wochenende – deutlich „leerer“ war, als das Jahr zuvor. Leerer bedeutet in diesem Sinne, man hatte keinen unmittelbaren Körperkontakt zu den übrigen Gästen und sogar die Möglichkeit die Stände auch einmal direkt zu begutachten, was sich im letzten Jahr doch etwas schwieriger gestaltet hatte, da konnte man allenfalls im Vorbeigehen – pardon – Vorbeischieben einen raschen Blick über die Stände huschen lassen, während man vom Hintermann an den Vordermann gedrückt und stetig nach vorne geschoben wurde. Ich hätte auch beinahe „POLONÄSE BLANKENESE“ angestimmt, wenn die Sauerstoffversorgung in den Lungen nicht so knapp bemessen gewesen wäre.
Nein, dieses Mal konnte man sich tatsächlich auch mal entscheiden, eine andere Richtung (freiwillig) einzuschlagen! Dabei hatte ich sogar – aus guter Erinnerung an das Vorjahrgetümmel – meine Handtasche an der Garderobe abgegeben, um mehr Platz zu haben und um eventuelle „Verstrickungen“ mit anderen Gästen zu vermeiden. Also warf ich mich praktisch nackt, nur mit meiner Kamera bewaffnet, ausreichend Bargeld im Stiefel und Lipgloss in der Westentasche (Handcreme und Taschentücher habe ich aus Platzgründen in den Taschen meines Mannes verstaut, man sieht also, eine Frau kann durchaus auch ein paar Stunden ohne ihre Handtasche auskommen!) in das Getümmel der Grünen Woche. Leider musste ich gleich zu Beginn feststellen, dass es leider nicht mehr die Schlemmermeile ist, die es einmal war. Es ist zwar schon in den Jahren zuvor hinreichend bekannt geworden, dass die kleinen Köstlichkeiten, die man zumeist auf kleinen Spießern serviert bekommen hat, deutlich abgenommen haben, aber dass sie jetzt gänzlich nicht mehr angeboten werden, finde ich schon wirklich sehr schade, da es der Grünen Woche eben dadurch die besondere Würze gab. Wenn man also nun ein Produkt erwerben möchte, sei es Käse, Fisch, Wurst oder ähnliches, dann muss man, wenn man die Katze nicht im Sack kaufen will, zuerst eine Probe kaufen. Dass heißt, die leckeren Spießer gibt es durchaus noch, allerdings muss man diese jetzt käuflich erwerben. Da kann man dann ein kleines Schnäppchen machen, in dem man ein kleines Stück Gouda für „nur“ 50 Cent erwirbt, oder man kann sich mal so richtig was leisten und sich einen Fingerhut Sekt für 1 Euro gönnen. Für die echten Gourmets unter uns gibt es sogar noch wallnussgroße Häppchen Lachs á 1,50 Euro. Ich stand also vor einem dieser Häppchen-Schnäppchen und überlegte mir, eigentlich müssten sie einem eine Probe von der Probe gewähren, schließlich möchte ich doch vorher testen, bevor ich etwas kaufe. Und ich weigere mich, eine Probe zu kaufen, bevor ich nicht ein Stück davon probiert habe, ich will ja nicht völlig fehlinvestieren. Aber ich hatte mich entschlossen, die Idee der Probenprobe für mich zu behalten, denn man stelle sich nun die nächste Grüne Woche vor, in dem vor den Probehäppchen, weitere noch viel kleinere Häppchen à 10/20 Cent stehen und die Grüne Woche darauf noch weitere viel viel kleinere… Nicht auszumalen!
Nun gut… Also, wenn ich demnächst auf die Grüne Woche gehe, werde ich mich schon VORHER pappsatt essen. Denn nachdem ich mit einem mäßig gefülltem Magen mein erstes Bier getrunken hatte, war mir schon reichlich schummerig, so dass ich zur „Aufklärung“ der Verfassung erst einmal eine Grundlage – wenn auch nachträglich – schaffen musste, in dem ich einen Fischstand überfiel, um mir ein Fischbrötchen einverleiben zu können. Sehr geschickte Verkaufstaktik, die Bierstände jeweils zwischen den Fressständen zu platzieren, muss man ja mal zugeben. Einigermaßen stabilisiert wurden dann die ausgestellten Tiere begutachtet. Von Ackergäulen, über Dressurpferde bis hin zu schäferhund-großen Ponys, von kleinen Kälbchen bis zur großen Milchkuh und über 1200 Kilo-Ochsen, von Lämmchen bis zu paarungswütigen Böcken, von kleinen süßen Ferkelchen bis zur Riesensau war alles vertreten, was man so auf einem Bauernhof finden kann.
Es wurden Pferdeshows geboten, welche auch teilweise zum Schmunzeln einluden, weil kleine „Schoßponys“ im Affenzahn eine Kutsche zogen, die zweimal so groß war sie selber. Die kurzen trappelnden Beine, ein Bild für die Götter! Besonders konstruktiv fand ich übrigens die Aussage einer Dame, die moniert hatte, dass eines der Pferde in ihre Richtung äpfelte. Na vielleicht sollte man das Füttern während der Öffnungszeiten einfach unterbinden, damit sich die Gäste durch das biologische Zirkulieren der Nahrung des Pferdes nicht belästigt fühlen. Auch wäre doch ein permanenter Reinigungsdienst vom Vorteil, damit die Dame nicht mit Ihrem High-Heel einen der Köttel aufspießt. Vielleicht sollte man in Zukunft auch zusammen mit den Eintrittstickets zwei bis drei Sagrotan-Tücher-Tütchen verteilen und die Tierhalle alle fünf Zentimeter mit Brise-Duftspendern ausstatten… Anstatt mich weiter aufzuplustern, konnte ich aber schnell mein Gemüt mit den Fingern in der weichen Wolle eines Ochsens kraulend beruhigen und mich an der Niedlichkeit dutzender flauschiger Küken erfreuen. Dekadenz kennt eben keine Grenzen…
Züchter von Kaninchen und Tauben ließen es sich ebenfalls nicht nehmen, ihre Prachtexemplare zu präsentieren. So steckten überall Kinderhände in Kaninchenkäfigen, worüber ein Schild angebracht war „Bitte nicht in die Käfige fassen“. Ich habe mich vorbildlich daran gehalten, in dem ich nur das angefasst und gestreichelt habe, was aus den Käfigen rausguckte. Vorschrift ist Vorschrift! Etwas verwundert blieb man an Taubenkäfigen stehen, in denen Tauben mit „Hausschuhen“ oder Afro-Look thronten. Was diese Züchtungen für einen wertvollen Gedanken in sich trugen, man fragt sich. Jedenfalls erinnerte mich die eine Taube vom Hinterkopf her stark an Tiffy aus der Sesamstraße, kann mich aber auch geirrt haben. Besonders interessant fand ich einen Bienenkasten, in dem man beobachten konnte, wie emsig die kleinen Arbeiterinnen mein Frühstück herstellten. Einige Mitgäste versuchten das Ganze zu fotografieren, merkten aber schnell, dass Blitzlicht gegen Scheibe etwas uneffektiv ist. Eine Züchtung fand ich besonders interessant, in einem Aquarium zusammen mit anderen „normalen“ Fischen, hielt sich ein etwas ruhigerer Geselle auf, welcher in der Lage war auf dem Rücken zu schwimmen. Sah noch etwas unbeholfen aus, weil er von der künstlichen Strömung etwas hin und her schwankte, aber das bekommt er sicherlich noch hin.
Zweimal musste ich auf jeden Fall durch die Halle mit Gewürzen und Ölen gehen, denn das war ein wahres Fest für die Sinne! Da gaben sich die Aromen die Klinke in die Hand und führten einen wahren Genusstanz unter den Geschmacks-und Geruchsknospen auf. Einfach herrlich! Was fürs Auge bot natürlich auch die Pflanzenhalle mit all ihrer Pracht an allen Farben des Regenbogens.
Mein Ziel für diese Grüne Woche war es eigentlich, eine Weißwurst zu zuzeln, meine „Hansa-Käsetüte“ (0,5 L Buttermilch, zwei Trinkpäckchen Schoko- und Vanillemilch, 250 g Butter, 250 g Kräuterfrischkäse) zu kaufen und nach ein paar Weinproben ein Verkaufsgespräch für Gartenmöbel zu führen. Meine alljährliche „Käsetüte“ war allerdings ausverkauft, auf Weinproben hatte ich nach meinem Biererlebnis keine Lust mehr, die Halle für Gartenmöbel haben wir aus Zeitgründen nicht mehr geschafft und es gab Leberkäse im Brötchen. Allerdings hab ich eine Porzellantasse gewonnen, die ich allerdings auf Arbeit nehmen muss, da ich trotz ausgeklügeltem Tetris-System diese beim besten Willen nicht mehr in meinen Schrank bekomme, habe dieses Mal mehr Tiere anfassen und kuscheln können, als in meinem bisherigen Leben zuvor und habe eine Flasche Prošek gekauft. Man muss auch mal vom Plan abweichen können.
Mein Fazit für diese Grüne Woche: Wer nicht darauf bedacht ist sich durch die Stände zu schlemmen, kommt auch genüsslich mit den übrigen Sinnen voll auf seine Kosten.
Man kann die Grüne Woche auch mit den Worten beschreiben, dass sie eine große überdachte Kirmes ist, welche mit nationalen und internationalen kulinarischen Genüssen und Aromen garniert, einem Guck- und Steichelzoo und einem vielseitigen Unterhaltungsprogramm ausgestattet ist. Nur ohne Riesenrad und Achterbahn.
Nach dem ich zu Hause dann meine noch platteren Füße massiert habe, kann ich nur sagen, nächstes Jahr auf jeden Fall wieder!
Berlin, 31. Januar 2011
„Mariethieme“ An- und Aussichten


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