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Ess‘ ich Essig?


Dass unsere Naturalien längst nicht mehr so naturell sind, wie sie es einmal waren und eigentlich auch sein sollten, ist hinlänglich bekannt.

Dennoch war ich doch ein wenig pikiert bis angeekelt, als ich einen Bericht sah, in dem geschildert wurde, wie weit unsere Lebensmittel eigentlich vom natürlichen Ursprung entfernt (worden) sind.

Konservierungs- und Farbstoffe sowie Aromen haben wir inzwischen billigend in Kauf genommen und unser Organismus hat sich auch mehr oder weniger daran gewöhnt, wenn man von immer häufiger werdenden Krebsgeschwüren einmal absieht. Da jedoch inzwischen der Inhalt vieler „Fruchtsäfte“, nicht auf dem natürlichen Wege an einem Baum oder Strauch gewachsen, gereift und gepflückt worden sind, sondern vielmehr das Licht der Welt erblickten, als sie aus dem Reagenzglas der Neonleute eines Laboratoriums entgegen blinzelten, zwingt sich doch die ein oder andere Frage auf, was ist denn noch echt?

Wenn ich jetzt einen Erdbeerjoghurt esse, wie viel hat der noch mit Erdbeeren zu tun? Wie kann es sein, dass man seinen Kindern guten Gewissens eine Capri-Sonne mitgibt, welche aus höchstens zwei Esslöffel Orangensaft besteht und der Rest aus Wasser, Unmengen Zucker, Farbstoffen und Aromen? Wie kann man behaupten, Säfte sind gesund, wenn sie einen doch krank machen, mit all den chemischen Bestandteilen und dem vielen Zucker? Wie kann es überhaupt ethnisch vertretbar sein, Lebensmittel in Laboratorien heranzuzüchten? Den Verbraucher mittels intensiverer Farben und Geschmäcker derart aufs Glatteis zu führen, in dem man ihm vermittelt, die künstliche Banane ist die bessere Banane? Wie soll man denn den Kindern vermitteln, dass Obst gesund und lecker ist, wenn deren Geschmacksnerven von den ganzen Aromen schon so verzogen sind, dass der Geschmack einer echten Himbeere ihnen nicht mehr ausreicht, nicht fruchtig und süß genug ist? Der menschliche Gaumen ist durch die ganzen künstlichen Aromen derart desensibilisiert worden, dass die wahren Genüsse der Natur überhaupt nicht mehr zur Geltung kommen. Nicht ohne Grund, kommt es uns so vor, dass die Tomaten auf einmal wässerig erscheinen, die Beeren blass und bitter schmecken. Man hört oft „Früher hat es besser geschmeckt!“. Das stimmt, denn früher hatten wir auch noch Geschmack! Der ist leider dermaßen künstlich hochgezüchtet worden, dass wir kaum bis gar nicht mehr in der Lage sind, feine natürliche Aromen zu schmecken, zu riechen oder auch zu sehen. Denn wenn ein Erdbeersaft nicht leuchtend rot ist, nicht intensiv nach Erdbeere durftet, sobald man die Flasche öffnet und der erste Schluck nicht schmeckt, wie zehn Erdbeerpflanzen gebündelt auf der Zunge, dann wird er nicht gekauft. Für jeden, der sich selbst einmal einen sogenannten „Smoothie“ gemacht hat, ist bekannt, dass eine Erdbeere, wenn man sie püriert, ein zartes Rosa entfaltet und kein kräftiges Rot. Das heißt dann nicht, dass diese Erdbeere minderwertig ist, sondern lediglich, dass sich das helle Innere einer Erdbeere mit dem rot vermengt und somit das Rot zu Rosa wird. Für alle die in der Farblehre der Schule aufgepasst haben und/oder bis mindestens drei zählen können, ist klar: Dunkel + Hell = helleres Dunkel. Oder besser ausgedrückt, sobald man eine dunklere Farbe mit einer helleren Farbe vermengt, wird diese dem zu Folge ebenso heller. Will heißen, ein Erdbeersaft in sattem Rot ist dementsprechend im wahrsten Sinne des Wortes „volle Kanne“ Farbstoff!

Ähnlich verhält es sich mit anderen Lebensmitteln, denn viele Fleischsorten bestehen schon gar nicht mehr aus „nur“ einem Tier, sondern werden aus verschiedenen Fleischresten zusammengedrückt und mit einem „Spezialpulver“, beispielsweise aus Japan, bearbeitet, welches mittels Enzymen die Fasern des Fleisches zersetzt und durch Druck und richtiger Temperatur zu einem Fleischklumpen formt, was für den Laien dann aussieht, wie natürlich gewachsenes Fleisch. Wenn mir doch bitte einer erklären könnte, was diese Enzyme mit meinem Fleisch machen, wenn ich sie gegessen habe?! Ich will ja nur sicher gehen, dass ich und mein Mann am nächsten Tag nicht ein kompletter Schinken sind, weil wir diese Mixtur, aus Schwein, Rind, Ratte und Chemie zum Abendbrot hatten und diese darin enthaltenen Enzyme uns über Nacht fröhlich zusammengehäkelt haben. Drastisch, aber kann man‘s wissen?

Es ist ja schön und gut, dass sie versuchen auch die kleinsten Fleischstücken zu verwerten, aber muss der Kunde dabei so getäuscht werden? Woher weiß ich denn, ob es „richtiges“ Fleisch ist, welches ich in der Fleischtheke zu Gesicht bekomme? Und wenn es wild zusammengedrücktes und zusammen „gewachsenes“ Fleisch ist, was ist da alles drin?

Es wird immer gesunde Ernährung gepredigt. Nur wo und wie finde ich diese besagte „gesunde Nahrung“? Gibt es denn etwas, wo Professor Dr. Mensch seine Finger nicht im Spiel hatte? Es macht einen einfach nur wütend, dass man uns Menschen als eine Art wirtschaftliches Nutztier benutzt. Uns „Futter“ züchtet, uns vorwirft, uns erzählt „das ist gesund, das schmeckt“, nur weil es billiger ist zum Beispiel einen Smoothie mit Zucker, Aromen, Farbstoff und synthetisch produzierten Vitaminen herzustellen, als dafür waschechte Früchte zu verwenden. Zudem wird man erst von Laboratorien durch synthetische Lebensmittel dick und krank gemacht, dann verkaufen sie einem herangezüchtete „Diät“-Produkte, wird man dann durch die ganze Chemie und ihre „naturidentischen“ Stoffe krank, haben sie dafür selbstverständlich die richtigen Antibiotika für uns parat, gegen die wie hoffentlich noch nicht immun sind, da wir sie eventuell mit dem einen oder anderen Lebensmittel bereits zu uns genommen haben.

Was hierzu eine perfekte Überleitung zu einem Fallbeispiel wäre, über das ebenso berichtet wurde. In diesem Fall wird über Thailand berichtet, welches über diverse Shrimps-Farmen verfügt, die angelegt sind in stehenden Gewässern, in denen sich die Exkremente der darin – nennen wir es mal beim Namen – dahinvegetierenden Shrimps zu einer stinkenden Güllemasse ansammeln. Anstatt die Besitzer nach Möglichkeiten der besseren Reinigung suchen, kippen sie Unmengen an Antibiotika hinein, damit – und das muss man sich mal vorstellen – die Shrimps darin überhaupt Überlebenschancen haben! Bei einem Versuch, Fische in dem selben Wasser zu züchten, sind diese innerhalb von 10 Minuten verstorben, nicht weil eventuell die Sauerstoffzufuhr so gering war, sie haben sich schlichtweg vergiftet! Und um dem ganzen ein Sahnehäubchen aufzusetzen, werden noch tonnenweise Wachstumshormone beigesetzt, damit die Shrimps nicht nur schneller, sondern auch größer wachsen, um so auf dem Markt bessere Preise zu erzielen – und tonnenweise ist hier kein Ausspruch der Übertreibung, sondern eine Tatsache, da in großen Plastikbottichen das Zeug in den See/Tümpel gekippt wird. Und das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Oder eigentlich besser nicht!

Man darf sich das in etwa so vorstellen, dass die Shrimps, in einem Shrimps-Salat, Shrimps-Cocktail, gebackene Shrimps, gegrillte Shrimps, frittierte Shrimps, gekochte Shrimps, Shrimps zum dippen …. vollgestopft sind mit Antibiotika und Hormonen und gewachsen sind, in einer dicken Suppe aus Exkrementen und verendeten Tieren, welche diese tierische Hölle nicht überstehen konnten, also direkt von einer dicken, braunen Brühe aus verwesenden Artgenossen und ihrer eigenen Schei... direkt auf unsere Teller schwimmen!

Bon Appétit

Berlin, 27. Oktober 2010
„Mariethieme“ An- und Aussichten

 

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