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Der Himmel hat einen Engel zurückgeholt…

Es ist schon erstaunlich, wie schnell es manche Menschen schaffen sich fest im Herzen zu verankern.

Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob man diesen Menschen schon über Jahre kennt oder mit ihm verwandt ist.

Bewusst, aber vielmehr unbewusst entscheiden wir, wen wir in unserem Herzen Platz nehmen lassen und wen wir draußen stehen lassen. Mal ist es der erste Eindruck, mal dauert es seine Zeit bis wir entschieden haben unser Herz zu öffnen.
Hat man sich nun entschieden jemanden einen festen Platz im Herzen zu gewähren, ist die Gefahr verletzt zu werden sehr hoch. Sei es absichtlich oder durch ein Schicksal herbeigeführt.
Was kann man dagegen tun? Wie kann man sein Herz schützen?

Gar nicht!

Dazu müsste man sich vor der Welt verschließen, jeglichen Kontakt und Kommunikation mit anderen verweigern, kurzum zu einem kleinen Einsiedlerkrebs mutieren.
Denn es gibt Menschen, die sich von anderen einfach abheben. Die sich in das Herz schleichen und sich einen Platz darin erobern, einfach, weil sie Klasse sind.

Wenn dann aber das Schicksal einen geliebten Menschen aus dem Herzen reißt, dann tut das nicht nur weh, es schmerzt, sogar sehr und hinterlässt eine Narbe die nie mehr vergeht. Auch wenn sie mit der Zeit etwas lindert, so wird sie niemals ganz verschwinden.

Man plagt sich herum mit wirren Gefühlen und Gedanken. Hätte man es verhindern können? Was hätte man noch alles sagen wollen und sollen? Wie geht es nun weiter?

Man versucht es zu leugnen oder zu verdrängen, doch die Gefühle holen einen schnell wieder ein…

Es schmerzt, dass auf einmal alles anders ist. Dass auf einmal alles so schnell geht. Dass auf einmal alles zerbricht. Dass es Menschen gibt, die versuchen daraus Profit zu schlagen. Auf einmal aus allen Ecken gekrochen kommen und sich wie die Aasgeier auf alles stürzen, ohne jeglichen Respekt.

Es macht einen so wütend, dass es so pietätlose Menschen gibt, die den Angehörigen nicht einmal die Zeit lassen gebührend zu trauern und versuchen aus ein wenig Hab und Gut sich etwas honorierendes unter den Nagel zu reißen.

Man fühlt sich einfach nur ohnmächtig. Man ist erfüllt mit Trauer, Wut und Unverständnis.

Die Tränen wollen nicht so recht versiegen um einen Menschen, der mir wie ein Großvater war, mich erstaunt hat mit seinem Humor, seiner Güte, seiner Hilfsbereitschaft, seiner Aufmerksamkeit, seinem Wissen. Der mir beigebracht hat, dass die schönsten Dinge im Leben die einfachsten sind. Der mir gezeigt hat, dass man nicht viel Geld und Besitztümer braucht, um ein schönes Leben und Spaß haben zu können. Der für meine Hilfe und meinen Besuch gedankt hat. Dabei war ich es, die dankbar war, ihn besuchen zu dürfen und dort meinen Ruhepol gefunden zu haben, den ich in eine Zeitlang so nötig brauchte.

Es fühlt sich an wie ein schwerer Stein im Herzen, dass er erst so spät in mein Leben getreten ist und es viel zu früh wieder verlassen hat.

Ich denke zurück, an die Konfitüre die er mir geschenkt hat, nur weil sie so ähnlich hieß wie ich. Daran, wie er mir das Treckerfahren beigebracht hat. Wie er mir stolz seine neusten Flugzeugmodelle gezeigt hat und ich sogar mit fliegen durfte. Wie er an der Leiter gewackelt hat, als ich Pflaumen gepflückt hab und ich dafür mit Pflaumen geworfen hab. Wie er mir zu jedem Treffen eine Kiste Sekt mitgebracht hat, nur weil ich ihm gesagt hab, dass der mir schmeckt. Wie er mir manche Geschichten dreimal erzählt hat. Wie wir bei Wind und Wetter die Scheune geflickt haben. Wie wir Tapete angenagelt und ihm seinen Sternenhimmel im Bad angeklebt haben. Wie er sich auf meine Holzmiete gestützt hat und sie dann einfiel. An die schönen Abende mit Rommé. An den Braten den er immer gekocht hat und an vieles mehr, aber am Meisten an das Lächeln, dass er mir geschenkt hat, als ich ihn das letzte Mal sah.

Diese schöne Zeit bleibt in meinem Herzen verankert und ich bin für sie unendlich dankbar.

Im stillen Gedenken an einen besonderen Menschen, der viele traurige Herzen hinterlässt, aber umso mehr liebevolle Erinnerungen… Jedem die seine…


Im November 2010

(MarieThieme)

 

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