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Also erst einmal vorweg…
Selber zähle ich mich zu den Obama-Befürwortern und war damals selbst eine von Millionen, die von der Welle der Obama-Mania erfasst wurde. Mein Optimismus, dass er in seiner Präsidentschaft noch so Einiges bewirken kann und will, stelle ich in keiner Weise in Frage, sondern bin viel mehr fest davon überzeugt. Dennoch komme ich nicht umhin, heute eine Kritik anzubringen. Auslöser war die Pressemitteilung des Nobelpreis-Komitees, Obama den Friedensnobelpreis 2009 zu verleihen.

Diese Entscheidung löste einige Verwirrungen, selbst in der Anhängerschaft Obamas aus - zu Recht.Die Rechtfertigung des Komitees äußerte sich wie folgt: “
Als US-Präsident hat Obama ein neues Klima in der internationalen Politik geschaffen. Multilaterale Diplomatie ist wieder ins Zentrum gerückt, ein Schwerpunkt ist dabei die Rolle, die die Vereinten Nationen und andere internationale Institutionen übernehmen können. Dialog und Verhandlungen werden als vorrangiges Mittel angesehen, um selbst die kompliziertesten internationalen Konflikte zu lösen. Die Vision einer atomwaffenfreien Welt hat den Verhandlungen über Abrüstung und Rüstungskontrolle kräftige Impulse verschafft. Dank Obamas Initiative spielen die USA nun eine konstruktivere Rolle, um dem massiven Klimawandel zu begegnen, mit dem die Welt sich konfrontiert sieht. Demokratie und Menschenrechte gewinnen an Stärke.
Es kommt nur sehr selten vor, dass eine einzelne Person es in dem Maße wie Obama schafft, die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich zu ziehen und den Menschen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu geben. Sein Verständnis von Diplomatie gründet sich auf der Überzeugung, dass diejenigen, die in der Welt den Ton angeben, dies auf der Grundlage von Werten und Maßstäben tun, die der Großteil der Erdbevölkerung teilt.
” Meine erste spontane Eingebung zu der Passage “Es kommt nur selten vor, dass eine einzelne Person es schafft, die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zu ziehen…” war: Doch, Michael Jackson!
Jetzt mal im Ernst, in der heutigen Zeit, in der viele leidgeprüfte Menschen sich lediglich an einem dünnen Bindfaden aus Hoffnung klammern, überrascht es nicht, dass ein Charaktermensch wie Obama, einer von Ihnen, der gewandt mit seinen Worten den Nerv der Zeit trifft, wie ein lange erwarteter Messias mit offenen Armen empfangen wird. Wen wundert es dann, dass er eine derartige Welle der Hoffnung auslöst, wenn er, der selbst aus “normalen” Verhältnissen stammt, den Menschen zeigt, dass es sogar für einen farbigen, demnach also auch für ALLE anderen möglich ist, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden. Das hinterlässt bei dem gemeinen Volk eben Eindruck!
Dennoch ist es für meinen Geschmack noch zu früh, ihm nur aus der Tatsache heraus, dass er diese Menschen bewegt und begeistert hat und gute Visionen für die Zukunft hat, den Friedensnobelpreis zu verleihen. Denn, wenn alleine schon die Visionen ausreichen, diesen begehrenswerten Preis zu verdienen, müssten wir an dieser Stelle die Messlatte deutlich herab setzen und jeden zweiten Mensch, wenn nicht sogar JEDEN Mensch nominieren, denn eine gute Idee für die Zukunft, die haben wir doch alle, oder?!
Der Literaturnobelpreis wird doch auch erst verliehen, wenn das Werk des Schriftstellers vollendet ist und nicht, wenn er nur das Vorwort erst geschrieben hat!
Die Meinung des Komitees ist vielleicht eine plausiblere Erklärung, doch ich bin der Meinung, dass Visionen alleine keinen Nobelpreis wert sind, sondern die Taten die daraus resultieren!
Obamas erstes Statement “Ich war überrascht!” Ja, wir auch Mr. Präsident!
Berlin 9. Oktober 2009 Mariel Honigmund