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Ist Euch bewusst, ...

... dass wir dem Negativen in unserem Leben mehr Aufmerksamkeit schenken, als dem Positiven…?!?

Beispiel:

Heute Morgen im Fahrstuhl: „Guten Morgen, wie geht es Ihnen?“, „Danke gut und Ihnen?“, „Danke auch…. Was macht die Familie?“, „Der Große hat sein Abitur abgeschlossen… gerade mal mit 3,4… daran liegt es wahrscheinlich, dass er auf seine Bewerbung eine Absage nach der Anderen bekommt..“, „Das ist ja schrecklich… na bei der Arbeitsmarktlage zurzeit kein Wunder!“, „Das kann man wohl laut sagen… jetzt hat er einen Job als Kellner angenommen… aber auf Dauer ist das doch auch keine Perspektive…“, „Hm… das hört sich ja gar nicht gut an… ja, bei uns herrscht auch gerade Trabbel, weil ich noch nicht die Zeit finden konnten, am Haus den Bewegungsmelder anzubringen und meine Kinder sich daher weigern abends den Müll rauszubringen und nun meine Frau dies übernehmen muss, wenn sie von Arbeit kommt…“ …

An dieser Stelle musste ich aussteigen, auch wenn es längst nicht meine Etage war, aber sonst hätte ich wahrscheinlich Handabdrücke im Gesicht verteilt und zwar bleibende!

Versuchen wir doch einmal dieses Gespräch zu analysieren:

1. „Guten Morgen, wie geht es Ihnen?“

Man ist also aufgewacht, was vielen in unserer Welt meist nicht mehr vergönnt ist. Jemand schenkt einem Aufmerksamkeit und fragt nach dem Wohlbefinden, auch wenn man heutzutage davon ausgehen kann, dass 90 % dieser Anfragen eine einfache Höflichkeitsfloskel ist, kann man demjenigen dennoch nicht völlig egal sein, wenn er es für notwendig erachtet, diese bei einem anzuwenden.

2. „Danke gut und Ihnen?“

Es geht einem also gut. Ja, man sagt dies auch häufiger, um weiteren lästigen Fragen aus dem Weg zu gehen, aber bei diesem Gespräch kann man wohl davon ausgehen, dass dies doch relativ ernst gemeint ist, da anschließend ja noch weiter ausgeholt wird, was man mit einer eventuellen Lüge hätte vermeiden wollen, also eine Lüge diesbezüglich überflüssig gewesen wäre.

3. „Danke auch…. Was macht die Familie?“

Man hat also Familie. Auch wenn dies wahrscheinlich nicht immer einfach ist, so kann sich dieser Mensch doch glücklich schätzen überhaupt eine zu haben. Denn es gibt weit aus Menschen, meist mehr als man denkt, die auch liebend gern, nach einem anstrengenden Tag in den Schoß der Familie zurückkehren würden, anstatt in eine leere kalte Wohnung!

4. „Der Große hat sein Abitur abgeschlossen… gerade mal mit 3,4… daran liegt es wahrscheinlich, dass er auf seine Bewerbung eine Absage nach der Anderen bekommt..“

Ja was heißt denn hier „gerade mal mit 3,4“? Immer hin hat er Abitur! Darauf kann man doch aufbauen! Ein Abitur bietet einem doch gerade die Möglichkeit zu wählen, ob man nun weiter lernen oder doch schon arbeiten oder sogar beides machen möchte. Und was ist denn so schlimm daran, wenn man nicht gleich nahtlos ins Berufsleben einsteigt? In solch einem jungen Alter stehen einem doch noch sämtliche Türen offen und man sollte da nicht allzu voreilig sich entscheiden und sich doch lieber erst mal die Zeit lassen, um sich Gedanken zu machen, in welche Richtung man steuern möchte.

5. „Das ist ja schrecklich… na bei der Arbeitsmarktlage zurzeit kein Wunder!“

Das würden die Deutschen auch noch sagen, wenn die Arbeitslosigkeit auf unter 20 Prozent sinken würde, weil irgendwas gibt es ja immer zu meckern!

6. „Das kann man wohl laut sagen… jetzt hat er einen Job als Kellner angenommen… aber auf Dauer ist das doch auch keine Perspektive…“

Wie jetzt? Wo jetzt? Was jetzt? Der Sohn entschließt sich aus eigenem Ermessen etwas zu unternehmen um ein bisschen eigenes Geld zu erwirtschaften. Menschen, die es schaffen diesen Tatbestand zu zerreden, sind wahrscheinlich auch solche Leute, die wenn sie einen Goldbarren geschenkt kriegen würden, sagen „Ach, der ist aber so schwer und hart, kann ich es nicht lieber überwiesen kriegen?“ Das lasse ich einfach mal so stehen!

7. „Hm… das hört sich ja gar nicht gut an… ja bei uns herrscht auch gerade Trabbel, weil ich noch nicht die Zeit finden konnten, am Haus den Bewegungsmelder anzubringen und meine Kinder sich daher weigern abends den Müll rauszubringen und nun meine Frau dies übernehmen muss, wenn sie von Arbeit kommt…“

Sie haben also ein Haus? Der einzige Grund, den Ihre Kinder finden den Müll nicht rauszubringen ist, dass es zu dunkel ist? Ihre Frau hat also auch Arbeit so wie Sie und lässt Ihnen den Müll nicht einfach stehen, sondern trägt ihn – wenn auch mit Murren, aber…– raus? Und das einzige was Sie tun müssen um den Familientrabbel zu beheben, ist lediglich einen Bewegungsmelder an Ihr Haus anzubringen? Meine Güte, mit Ihnen möchte sicher keiner tauschen… Ich steig aus!

Es ist mir sicherlich nicht zu verdenken, dass ich angesichts so vielen „Elends“ nicht gewillt war bis zum Ende mitzufahren, schließlich will man ja nicht völlig deprimiert am Arbeitsplatz erscheinen…

Jetzt mal im Ernst: Liegt es an der Mentalität der Deutschen, dass wir stetig an allem herumnörgeln, anstatt uns über die schönen Dinge, seien sie noch so klein, zu erfreuen? Schließlich schaffen wir es ja auch, die kleinsten negativen Dinge aufzuspüren und groß aufzublasen, warum nicht auch mit den positiven? Manche unter uns sehen es scheinbar sogar als eine Art Hobby an, aus allem was Schlechtes herauszufiltern und soweit aufzubauschen, bis man das Gute drum rum völlig aus den Augen verliert. Andere wiederum sehen es sogar als eine sportliche Disziplin an, die anderen „Leidmitstreiter“ zu überbieten. „Ich glaub ich habe Kopfschmerzen…“, Kontrahent: „Du hast es ja noch gut, mir dröhnt so der Kopf, dass mir ganz schwindelig wird…“, Herausforderer: „Ach diesen Punkt hab ich schon überschritten, nachdem meine linke Seite völlig taub wurde…“ und so weiter und so fort….

Ich könnte mich wahrscheinlich stundenlang über diese Art der Perversion meiner Mitmenschen auslassen, würde mich wahrscheinlich aber genau mit auf diese Ebene begeben, weil ich genau so dieses einseitige Denken zu Tage fördern würde und dabei völlig unter den Tisch fallen lasse, dass es durchaus auch Ausnahmen gibt! Vielleicht sollten wir uns erst einmal an die eigene Nase fassen, bevor wir über Andere urteilen…

Wir sollten vielleicht immer mal ein wenig darauf achten und überlegen, ob es wirklich nur einen negativen Aspekt einer Situation gibt, bevor wir bodenlos im Selbstmitleid versinken, denn letzten Endes ist das Leben viel zu kurz um es zu beschimpfen!

 

Ich versuche es einmal: Draußen regnet es und es ist dunkel. –Die Pflanzen brauchen schließlich Wasser und mal weniger Lichteinwirkung schont die Netzhaut!

 

Na bitte, gar nicht so schwer…

….und jetzt seid Ihr dran!

 

Eure Mariel Honigmund