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Galerie Antje Wachs
Gipsstraße 5 _ 10119 Berlin, Dienstag - Samstag 12.00 - 18.00 _ u.n.V.
Die Galerie Antje Wachs freut sich, das neue Projekt, "Lärm im Kopf" der Schweizer Künstlerin Clarina Bezzola zu zeigen. Dies ist ihre zweite Einzelausstellung in dieser Galerie.
Schon zu Beginn ihrer künstlerschen Laufbahn beschäftigt sich Clarina Bezzola mit oftmals persönlichen, psychologischen Themen, ihr Werk setzt sich inhaltlich mit unterdrückten Emotionen und Gedanken auseinander. So hat die Künstlerin lange selbstunterstützende Verhaltensmuster untersucht, die sie als Schutzbilder bezeichnet. Welche Methoden setzt man ein, um Verletzlichkeit und Schwächen zu verbergen und sich den gesellschaftlichen Anforderungen zu stellen?
Bezzolas Untersuchungen konzentrieren sich zunächst auf psychische und somit greifbare Aspekte von Schutz, gelangte dann aber zu psychologischen Themen um letztlich zu dem Schluss zu gelangen, dass es unsere Gedanken sind, die unser stärkster Panzer sind. Durch rationales Durchdringen und Analysieren von oftmals eigentlich emotionalen Vorgängen verschafft sich der Mensch das Gefühl von Stärke und Sicherheit. Gleichzeitig entfremdet er sich von seinem eigentlichen Körper, der nur noch als Hülle wahrgenommen wird.
Betritt der Besucher die Galerie, befindet er sich inmitten einer Installation, welche die oben beschriebene welt- und körperentfremdete Situation vermittelt. Eine Menschenmenge von etwa 35 hautfarbenen Gummiköpfen, die mittels unsichtbarer Seidenfäden von der Decke herab hängen, bevölkern den unteren Raum der Galerie. Die Kahlköpfe besitzen weder individuelle Charakterzüge, noch sind von ihren Gesichtern Emotionen abzulesen. Ihr Bezug zum eigenen Körper ist verloren, so dass sie isoliert und scheinbar schwerelos im Raum hängen.
Beim Herantreten revidiert sich der erste, recht distanzierte Eindruck der Installation, den aus jedem Kopf vernimmt man einen individuellen, frei assoziierten Monolog.
Für diese Arbeit hat die Künstlerin Personen, die in ihrem eigenen Denken einen besonderen Stellenwert besetzen, aufgefordert, eine halbe oder ganze Stunde lang in einem Raum zu sitzen und jegliche Gedanken, die ihnen durch den Kopfgehen, auszusprechen und aufzunehmen. Clarina Bezzola geht es bei diesen Monologen weniger um den spezifischen Inhalt, als um die generelle Atmosphäre, die jede einzelne Persönlichkeit auszeichnet. So erlebt der Besucher das Wandern durch diese Installation als intensiv und intim. Die Körperlichkeit der Köpfe tritt vermehrt in den Hintergrund und macht Platz für eine Landschaft, die ausschließlich aus abstrakten Gedanken besteht.
Im Zentrum der Galerie zeigt die Künstlerin eine über drei Meter lange Gouache, die eine apokalyptische Szene einer Ansammlung von Köpfen zeigt, die in einer weiten Landschaft liegen. Blind vor sich hin denkend, werden sie plötzlich von einem übermächtig großen Daumen überrascht. Dieser unerwartete Eindringling, der wie ein Blitz aus dem Himmel auf die Erde Stößt, erdrückt die Träumenden auf einen Schlag, was ein aufplatzen der Schädel und das Entweichen aller Gedanken bewirkt.
Im Projektraum der Galerie ist die Videoarbeit „Judgement Day“ (Bewertungstag) zu sehen. Für diesen Film wanderte Clarina Bezzola einen Tag in New York umher, der Stadt, in der sie seit 18 Jahren lebt. Dabei trägt sie zwei an ihren Armen befestigte, überdimensionale Finger, die die eigene Handfertigkeit und das Gestikulieren extrem einschränken. Mittels dieser „Judgement-gloves“ (Bewertungshandschuhe) demonstriert sie ihren eigenen Hang zum ständigen Werten, Urteilen und Hierarchisieren, und trägt so zur Isolation des Einzelnen innerhalb der Gesellschaft bei.
Im letzten Raum der Galerie zeigt Clarina Bezzola Fotografien, die eine weitere Szene der Entfremdung illustrieren. Dieses Mal ist die Künstlerin im Gespräch mit sich selbst versunken. Sogar bei dem Besuch idyllischer kultureller Sehenswürdigkeiten kann sie nichts genießen, weil ihr ein Gummikopf ins Gesicht gebunden ist, mit dem sie heftig diskutiert.
Clarina Bezzola (*1970, Zürich, Schweiz) lebt und arbeitet in New York. 1995 BFA, Parsons School of Design, New York. Ausgewählte Ausstellungen: 2008 Swiss Performance: Inside Out, Kunsthalle Wien project space, A (group) / Swiss Miss: a Gathering, Galerie Nicola von Senger, Zürich, S (solo) / Inside Out, Kulturstiftung Schloss Agathenburg, D (solo) /2007 Der Glückliche Tod im Leben und die Geburt ins Jetzt, Krinzinger Projekte, Wien, A (solo) / Inside Out, Lokaal01, B (solo) / 2005 Inside-Out, Galerie Antje Wachs, Berlin, D (solo) / Gathering, Cynthia Broan Gallery, New York, USA (solo)
Clarina Bezzola
Noise in my Head
06. 09. – 18.10.2008
Opening: Friday, September 05th, 7 – 9 pm
Antje Wachs gallery is pleased to present the new project Noise in my Head by the Swiss artist Clarina Bezzola. This will be the second solo show in our Gallery.
Since the beginning of her artistic career Bezzola has been investigating psychological and social patterns of behavior which we acquire to hide any individual aspects, aspects that might not find approval in the light of the public eye. Such self-protecting comportment, which Bezzola calls psychological shields of protection, are methods we adopt to hide our weaknesses in hope to fulfill social expectations. Initially, Bezzola’s investigation concentrated on the physical and therefore more tangible aspects of protection, but then she advanced into the more psychological realms to finally arrive at the conclusion, that it is our very thoughts, which are the strongest armor. We analyze every situation to get a feeling of strength and security, only to end up finding ourselves estranged from your body and our environment. We’ve become nothing more than a shell carrying our abstract and life alienating concepts.
To illustrate this estranged situation, Bezzola has created an installation, greeting the viewer upon entering the gallery. 35 skin colored heads, cast of rubber, are suspended bodiless in the front space of the gallery. Their generic features and therefore lack of individual characteristics are meant to underline our discrepancy between mind and body and radiate a cold and lifeless atmosphere. Upon closer examination however the lifeless vacuum gets filled when the viewer hears individual voices, in fact extremely intimate monologues, escaping from each head. These are the voices in her head, Bezzola explains, 35 of the artists closest people, who influence her thinking. For the purpose of this installation, Bezzola asked each of these individuals to sit in a room for one hour, alone, and to verbalize every thought that came to their minds; a monologue which was then recorded. It was less the specific content Bezzola was after, then the atmosphere each individual radiates with their voice, way of forming sentences and manner of speech. While wandering through the installation one will find the atmosphere simultaneously alienating and intimate. The physicality of the heads recedes and gives space to a more abstract landscape of thoughts.
In the center of the gallery space Clarina shows a 3 1/2 meter sized gouache painting, illustrating an apocalyptic scene in which a crowd of heads, lying in a wide desert landscape, completely lost in their thinking process, are surprised by a giant oversized thumb, crashing down upon them. This earth shattering intrusion catches these dreamers so intensely by surprise that the heads crack open and release all thoughts caught in that moment.
The project space features a video piece, called „Judgement Day“. For this piece Clarina Bezzola spent a day walking around New York, the city where she has been living in the past 18 years, wearing two oversized fingers covering her hands reducing her dexterity to mere pointing. With these “judgement gloves”, the artist demonstrates her own addiction to constantly judge and create hierarchies, one of the main contributors to our sad state of isolation.
As a last chapter, presented in the last room of the gallery, Bezzola shows photographs illustrating yet another scene of alienation. This time the artist herself is completely lost in conversation with her inner voices, even while visiting most idyllic or cultural sights. Unable to experience this special moment, she spends all her time intensely debating with an expressionless rubber head tied over her face.